Geschichte der Kippenheimer Kirche

An der alten Römerstraße vor dem Schmieheimer Tal gelegen, war der Ort möglicherweise schon vor der Römer- und Alemannenzeit besiedelt. Dass die Kirche dem hl. Mauritius geweiht ist, weist auf ein hohes Alter des Dorfes hin, das erstmals für das Jahr 763 als Chipinheim erwähnt wird. 773 gehört es zum Kapitel des rechtsrheinischen Archidiakonats der Diözese Straßburg. Für die Zeit zwischen 916 und 932 ist erstmals eine Kirche am Ort beurkundet. Der in alter Zeit noch vorhandene Gewanname „Mvnche pfad" (= Mönchspfad) deutet auf zeitweise kirchliche Versorgung durch das Kloster Ettenheimmünster hin. Am 1. Dezember 1146 kam Bernhard von Clairvaux, auf einer Reise von Frankfurt nach Konstanz zum 2. Kreuzzug aufrufend auch durch Kippenheim. 1187 wird der erste Kippenheimer Pfarrer als „Hartmouth de Kippenheim plebanus" (= Hartmut, Leutpriester von Kippenheim) erwähnt.
1454 wurde die älteste, heute noch vorhandene Glocke mit der lateinischen Inschrift: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen." gegossen. 1514 kommt die größte Glocke mit dem Namen „Osanna" (Hosianna = Herr, hilf uns doch!) in den Kirchturm.
Zwischen 1534 und 1536 wird Kippenheim evangelisch und erhält einen evangelischen Pfarrer. 1624 ist Kippenheim als ganz evangelisch beurkundet, es hat sich darin „khein einiger catholischer vnderthan befunden". Mahlberg hat jetzt keinen eigenen evangelischen Pfarrer mehr, sondern wird, wie auch Orschweier, von Kippenheim betreut.
1774 wurde Kippenheim Sitz des Dekanats Mahlberg und blieb es bis 1844. 1781 wurde dann das ehemalige evangelische Pfarrhaus und 1793 die evangelische Sakristei an der Kirche gebaut. Am 9. und 10.10.1811 weilte Johann Peter Hebel im Kippenheimer Pfarrhaus bei seinem treuen Freunde, dem „archangelus" – wie er ihn nannte - Dekan Engler. Die Gedenktafel ist heute noch am Haus zu sehen. Einige Briefe Hebels an ihn sind heute noch erhalten. Dekan Engler war Mitglied der Unionssynode von 1821 und wurde 1831 Kirchenrat.
Im Jahre 1831 machte der evangelische Kippenheimer Bürger Johann Georg Stulz, der vom Großherzog zum Baron von Ortenberg geadelt wurde, eine beträchtliche Stiftung zur Renovierung der Kirche, die sogleich vorgenommen und wobei wieder ein steinerner evangelischer Altar errichtet wurde. Er stiftete auch 1832 das Spital.1844 wurde der Friedhof, der um die Kirche herum lag, gesperrt und ein neuer Bergfriedhof angelegt. 1877 wurde ein „kirchlicher Gesangverein" gegründet, der 1889 als „Kirchenchor" neu erstand. 1899 wurde aus konfirmierten Mädchen ein „Chor für den Grabgesang" gebildet, dessen Aufgaben der 1907 wieder ins Leben gerufene Kirchenchor seither mit übernahm. 1911 erfolgte die Gründung des evangelischen Krankenpflegevereins, der noch im gleichen Jahr eine Diakonisse als Krankenschwester anstellte. 1915 wurde die bereits seit 1884 bestehende und einst durch den Frauenverein ins Leben gerufene Kinderschule Eigentum der evangelischen Kirchengemeinde, die sie ebenfalls mit einer Diakonisse besetzte. 1926 wurde der Evangelische Mädchenbund gegründet, und nach dem 2. Weltkrieg wurde die Jungmännerarbeit aktiviert. 1950 erstand am südlichen Ortsrand das evangelische Jugendheim, das später zum Gemeindehaus ausgebaut wurde und auch den Kindergarten beherbergt. 1951 erfolgte die Gründung des Posaunenchors. 1953 wurde die evangelische Jugend- und Gemeindebücherei gegründet. All diese Einrichtungen bestehen bis in die Gegenwart und prägen das Gemeindeleben
Die alten Streitigkeiten zwischen Evangelischen und Katholischen waren in Kippenheim im 18. und 19. Jahrhundert durch immer wieder neue Zwischenfälle weitergeführt worden. Auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand man noch nicht zu einem guten Miteinander. So beantragte 1953 der katholische Stiftungsrat die Auflösung des Simultaneums. Das Gotteshaus sollte nur noch von der katholischen Gemeinde genutzt werden. Der Evangelischen Gemeinde fehlten jedoch die Mittel, um sich eine neue Kirche zu bauen. 1961 einigte man sich nach langen Verhandlungen zwischen dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchengemeinderat und Einschaltung des Oberkirchenrats, das Gotteshaus an die evangelische Kirchengemeinde zu verkaufen. Über 300 Jahre, seit Beendigung des 30-jährigen Krieges hatte die Kirche beiden Konfessionen als Gotteshaus gedient.
1962 wurde die Kirche im Kircheninnern saniert. Die Kosten der Sanierung beliefen sich auf 350.000 DM. Während der Arbeiten stießen die Handwerker auf Bauteile aus der Römerzeit. Nach der Sanierung konnte die Gemeinde feierlich die neue Kirche nutzen. 1986 musste aufgrund baulicher Mängel - es fielen Schieferplatten vom Kirchturm auf die Straße - eine Außensanierung folgen. Die Kosten beliefen sich auf 500.000 DM. Auch der Glockenturm wurde einer umfangreichen Sanierung unterzogen. In der Turmkugel wurde eine Botschaft für die nachfolgenden Generationen mit der Jahreslosung hinterlegt: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir." (5. Mose 5, 6+7). 2004 setzte in den Wintermonaten mehrfach die Kirchenheizung aus, so dass diese erneuert werden musste. Die Innensanierung ist im Dezember 2010 abgeschlossen worden.
Nach Jahrzehnten des Nebeneinanders der beiden Konfessionen in Kippenheim sind nun Zeiten ökumenischer Gemeinsamkeiten angebrochen. Es gibt in verschiedenen Bereichen Kooperationen zwischen beiden Gemeinden. 1.500 Gemeindeglieder leben in der Kirchengemeinde. (aus: Der Evangelische Kirchenbezirk Lahr 2006)